16. September 2020

Prüfung der Anwärter

Ein Wörterbuch der anderen Art

 

23./ 24. Juni 2020. Thale. Zwei sonnige Tage im Harz. 

Im Juni dieses Jahres haben die Anwärter der Fachlehrgänge Nr. 41 und 42 ihre außergewöhnlichen Projektarbeiten vorgestellt. Ich hatte das Glück, mit sechs weiteren Beobachtern die Präsentationen zu verfolgen, aber auch zu bewerten. Nun fragt sich der Leser, warum wohl sind diese Projektarbeiten außergewöhnlich? Die Anwärter sollten ein „nonverbales Wörterbuch“ für den täglichen Haftalltag erstellen. Acht Gruppen klärten die Themen Zugang und Haftalltag (Freizeit, Arbeit, Geld, Einkauf, Besuch, Post,…..) mit Hilfe von Piktogrammen. Hier bewiesen die Anwärter sehr viel Geschick und Kreativität, obwohl die Umsetzung des Themas eher einem Web-Designer oder Grafiker entsprochen hätte. 

Alle Beobachter sind sich einig, dass doch die nächsten Projektaufgaben praxisnäher zu gestalten sind. Der Aufwand und die Kosten sind in keiner Weise mit drei Tagen Umsetzungszeit und null Euro realisierbar. Gibt es denn kein Budget für solche Ausbildungsprojekte? Oder hat im Vorfeld niemand geprüft, wieviel zusätzliche Freizeit dafür wirklich notwendig war? Chapeau, die Anwärter haben wahrhaftig sehr gute Ergebnisse erzielt. 

Auch die Bewertung der einzelnen Gruppen gestaltete sich nicht immer einfach.

Im Juli 2017 wurde die neue Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für die Laufbahn des allgemeinen Justizvollzugsdienstes des Landes Sachsen- Anhalt (APVO AVD LSA) erlassen. Nun nach drei Jahren stellt sich die Frage, ob der § 15 APVO AVD LSA noch zeitgemäß und mathematisch korrekt ist. 

Die rechnerische Ermittlung der Gesamtbewertung ist nachvollziehbar, jedoch das Ergebnis auf zwei Dezimalstellen hinter dem Komma ohne Auf- oder Abzurunden festzulegen entspricht weniger der Realität einer Notenzuordnung. Die Punktwerte frustrieren vielmehr als das sie motivieren, immerhin geht die Projektnote zu 50 % in die Fachlehrgangsnote ein. 

Schön wären eine Überarbeitung der APVO AVD LSA und ein schnelleres Anpassen an mathematische Rundungsregeln und somit an die Benotung der Gymnasialstufe der Landes Sachsen Anhalt. 

Im Ergebnis hoffen alle Beobachter, dass die „nonverbalen Wörterbücher“ auch in unserem Justizvollzug ankommen und durch die Bediensteten vielfältig genutzt werden können.

Ines Wachsmuth